Die Brunft ist die Paarungszeit des Rothirsches. In Polen dauert sie meist von Mitte September bis Mitte Oktober und ist um den Monatswechsel September/Oktober am lautesten. Die Hirsche röhren vor allem in der Dämmerung, nachts und im Morgengrauen. Dann solltest du am Wiesenrand stehen und lauschen.
Was während der Brunft passiert
Reife Hirsche sammeln Rudel von Hirschkühen um sich und verteidigen sie gegen Rivalen. Das Röhren ist ein Signal an andere Hirsche und an die Kühe. Sind zwei Hirsche etwa gleich stark, kämpfen sie manchmal mit dem Geweih. Die Tiere sind weniger scheu als sonst, reagieren aber trotzdem schnell auf menschlichen Geruch und auf Bewegung.
Der Höhepunkt fällt nicht jedes Jahr in dieselbe Woche. Er hängt vom Wetter und von der Region ab. In den Bergen und im Nordosten kann er etwas später kommen als im Westen Polens. Darum betrachtet unsere Prognose Monatshälften und nicht nur ganze Monate.
Was du tatsächlich hörst
Das Röhren eines Hirsches ist ein tiefer, gedehnter Laut, der bei gutem Wetter mehrere Kilometer weit trägt. Sind mehrere Hirsche in der Nähe, antworten sie einander, und die Rufe werden kürzer und abgehackter. Manchmal hörst du das trockene Klacken der Geweihe, wenn im Wald zwei Hirsche aufeinandertreffen. Die Kühe sind meist still, geben aber einen kurzen, scharfen Bellton von sich, wenn sie etwas alarmiert. Hörst du ihn, hat das Rudel dich gesehen oder gerochen. Bleib stehen und geh nicht näher heran.
Welches Wetter hilft
Am besten ist ein kalter, windstiller, klarer Morgen nach einer klaren Nacht. Sinkt die Temperatur, röhren die Hirsche williger, und der Schall trägt in kühler, ruhiger Luft weit. Starker Wind übertönt das Röhren und verteilt deinen Geruch. Auch starker Regen verdirbt die Pirsch.
- Temperatur: ein kalter Morgen, am besten ein paar Grad über null oder leichter Frost.
- Wind: schwach, und du stehst so, dass er von den Tieren zu dir weht.
- Himmel: klar oder leicht bewölkt, kein Regen.
- Sicht: Talnebel hindert dich nicht am Lauschen, macht aber Fotos schwieriger.
Unsere Prognose für die Wildtierbeobachtung bewertet diese Bedingungen für die Morgen- und Abendstunden.
Wo du in Polen lauschen kannst
Rothirsche leben in fast jedem großen Wald, daher kannst du die Brunft in vielen Regionen hören. Das bekannteste Gebiet sind die Bieszczady. Im San-Tal, zum Beispiel bei Muczne, hörst du das Röhren von Straßen und Wiesenrändern außerhalb des Nationalparks. Gut geeignet ist auch der Białowieża-Urwald, wo die Hirsche rund um die Dörfer auf die Wiesen treten, ebenso Kampinos und Roztocze.
Im Ausland ist der schottische Cairngorms-Nationalpark ein bekannter Ort. Dort dauert die Brunft von Ende September bis in den Oktober.
So lauschst du, ohne zu stören
Komm vor Sonnenaufgang oder eine Stunde vor Sonnenuntergang. Bleib an einer Stelle stehen, am Wiesenrand, an einer Straße oder auf einer öffentlichen Aussichtsplattform. Geh nicht in Richtung des Röhrens, denn im Dunkeln gerätst du leicht zwischen Kühe und Hirsch. Ein lichtstarkes Fernglas, etwa 8x42, zeigt dir mehr als Herumlaufen.
- Flüstere, stelle dein Handy stumm und schlage keine Autotüren zu.
- Leuchte nicht mit der Taschenlampe auf die Wiese und benutze keinen Blitz.
- Benutze keinen Hirschlocker und spiele keine aufgenommenen Brunftrufe ab. In einem Nationalpark kann das als Störung der Tiere gelten.
- Bemerkt dich ein Hirsch und zieht sich zurück, bleib, wo du bist, und lass ihn gehen.
Regeln, die du kennen musst
Der Rothirsch ist eine jagdbare Art und keine geschützte Art. Das heißt aber nicht, dass alles erlaubt ist. In Nationalparks und Reservaten verbietet Artikel 15 des polnischen Naturschutzgesetzes das absichtliche Stören von Wirbeltieren, das Sammeln von Geweihen und das Verlassen markierter Wege. In Wäldern außerhalb der Parks darfst du gehen, aber meide Bereiche mit einem Betreten-verboten-Schild.
Drohnenflüge sind im Bieszczady-Nationalpark verboten, der in der Sperrzone EP R10 liegt. Mehr zu den Regeln findest du in Ethik und Recht der Wildtierbeobachtung in Polen.
Was du mitnehmen solltest
Warme Schichten, Mütze und Handschuhe, denn du stehst still in der Kälte. Dazu eine Thermosflasche mit Tee, eine Stirnlampe mit Rotlicht für den Rückweg zum Auto und ein Fernglas. Wenn du fotografierst, nimm ein Stativ und ein langes Objektiv mit, geh aber für ein besseres Bild nicht näher heran. Ein gutes Brunftfoto zeigt oft nur die Silhouette eines Hirsches im Nebel, aus großer Entfernung.
Ein Plan für einen Morgen
Prüfe am Vorabend die Prognose für Wind und Temperatur. Fahr so los, dass du eine Stunde vor Sonnenaufgang am Platz bist. Stell den Motor ab, warte ein paar Minuten und höre zu. Wenn es hell wird, such den Waldrand mit dem Fernglas ab. Geh zurück zum Auto, sobald die Sonne über die Bäume steigt, denn dann ziehen sich die Hirsche meist wieder in den Wald zurück.
Quellen
- Polnisches Naturschutzgesetz, konsolidierter Text (Dz.U. 2026 Pos. 1315, auf Polnisch)
- Drohnenflüge im Bieszczady-Nationalpark (dlapilota.pl, auf Polnisch)
- Białowieża-Urwald, wie man Wildtiere beobachtet (National Geographic Polska, auf Polnisch)
- Cairngorms-Nationalpark
Verpasse das nächste Zeitfenster nicht
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