Eine Regel ist wichtiger als alle anderen: Iss nie eine Wildpflanze, die du nicht zu 100 % sicher bestimmen kannst. Einige der giftigsten Pflanzen Europas wachsen an denselben Orten wie beliebte Kräuter und sehen im jungen Zustand fast gleich aus. Eine Vergiftung durch Maiglöckchen, Herbstzeitlose, Schierling oder Wasserschierling kann tödlich enden.
Regeln, die Leben retten
- Bestimme nach mehreren Merkmalen gleichzeitig: Blattform, Austrieb aus dem Boden, Stängel, Blüte, Geruch und Standort. Ein Merkmal reicht nicht.
- Prüfe jedes einzelne Blatt und jede Pflanze. Maiglöckchen können mitten in einem Bärlauchbestand wachsen.
- Verlass dich nicht allein auf den Geruch. Nach ein paar Knoblauchblättern riechen deine Hände nach Knoblauch, und jedes weitere Blatt scheint auch so zu riechen.
- Sammle keine Doldenblütler (weiße schirmförmige Blütenstände, fein zerteilte Blätter), außer du bist Botaniker. Zu dieser Familie gehören die tödlichsten Pflanzen Europas.
- Eine App zur Pflanzenbestimmung ist ein Hinweis, kein Urteil. Bei jungen Blättern sind Apps am unzuverlässigsten.
- Gib Kindern nie unbekannte Pflanzen oder Beeren zum Spielen oder Essen.
Bärlauch, Maiglöckchen, Herbstzeitlose, Weißer Germer
| Pflanze | Wuchs | Merkmale |
|---|---|---|
| Bärlauch | Jedes Blatt wächst auf einem eigenen dünnen Stiel aus dem Boden | Weiches Blatt, unterseits matt, riecht zerrieben nach Knoblauch. Weißer, runder Blütenstand. |
| Maiglöckchen (tödlich giftig) | Meist zwei Blätter, die an der Basis ineinander gewickelt sind, ohne eigene Stiele | Steiferes Blatt, unterseits glänzend, kein Knoblauchgeruch. Weiße Glöckchen an einem Stängel. |
| Herbstzeitlose (tödlich giftig) | Mehrere Blätter in einem Büschel direkt aus dem Boden, ohne Stiele, um eine Samenkapsel | Dickere, glänzende Blätter, kein Geruch. Wächst auf feuchten Wiesen und blüht im Herbst violett. |
| Weißer Germer (tödlich giftig) | Ein dicker Stängel, an dem die Blätter spiralig aufsteigen, in den Bergen | Breite Blätter, entlang der Adern deutlich gefaltet. |
| Aronstab (giftig) | Blätter auf langen Stielen aus dem Boden | Pfeilförmiges Blatt mit netzartigen Adern, manchmal mit dunklen Flecken. |
In Polen steht Bärlauch unter Schutz, deshalb sind Pflanzen aus dem Anbau dort der einfachste Weg, einen Fehler zu vermeiden. Anderswo pflückst du ihn Blatt für Blatt, nie handvollweise.
Schierling und Wasserschierling gegen Holunder, Wilde Möhre und Wiesenkerbel
Gefleckter Schierling (Conium maculatum) und Wasserschierling (Cicuta virosa) sind Doldenblütler mit weißen Blütenständen. Sie gehören zu den giftigsten Pflanzen Europas. Der Schierling hat einen glatten, hohlen Stängel mit violetten Flecken und riecht zerrieben unangenehm nach Mäusen. Der Wasserschierling wächst im und am Wasser, und sein dicker Wurzelstock hat hohle Kammern, die durch Querwände getrennt sind. In Großbritannien und Frankreich ist die Safran-Rebendolde (Oenanthe crocata) genauso gefährlich. In Nordamerika übernehmen der Westliche und der Gefleckte Wasserschierling (Cicuta douglasii, Cicuta maculata) dieselbe Rolle.
Man verwechselt sie mit Wilder Möhre, Wiesenkerbel, Giersch und Holunderblüten. Holunder ist jedoch ein verholzter Strauch mit Rinde, kein weiches Kraut. Wenn eine weiße Dolde auf einem weichen, grünen Stängel wächst, pflücke sie nicht. Die Wilde Möhre hat einen behaarten Stängel und oft eine dunkle Blüte in der Mitte der Dolde, aber sieh das nicht als Beweis. Am sichersten ist es, wilde Doldenblütler gar nicht zu sammeln.
Fingerhut gegen Beinwell und Borretsch
Vor der Blüte bildet der Fingerhut eine Rosette aus weichen, behaarten Blättern. In diesem Stadium sieht er Beinwell, Borretsch und Königskerze ähnlich. Der Fingerhut ist tödlich giftig. Seine Blätter haben kleine, runde Zähne und unterseits ein erhabenes Adernetz, und ihm fehlen die rauen, borstigen Haare des Beinwells. Weil sich Rosetten so schwer unterscheiden lassen, sammle keine behaarten Rosetten, es sei denn, du hast die Pflanze an dieser Stelle schon blühen sehen und kennst sie sicher.
Beeren: Tollkirsche, Eibe, Bittersüßer Nachtschatten
- Tollkirsche: glänzende schwarze Beeren, so groß wie eine Kirsche, einzeln auf einem sternförmigen Kelch. Eine Staude bis 1,5 m Höhe, auf Lichtungen und Kahlschlägen. Gefährlich für Kinder, die sie mit Heidelbeeren verwechseln.
- Eibe: ein roter, fleischiger Becher mit sichtbarem dunklem Samen und flache, weiche Nadeln. Die Nadeln und die Samen sind giftig.
- Bittersüßer Nachtschatten: rote, ovale Beeren in hängenden Trauben an einer Kletterpflanze mit violetten Blüten.
- Traubenholunder und Zwergholunder: Der Traubenholunder trägt rote Beeren, die nie roh gegessen werden dürfen. Der Zwergholunder hat schwarze Beeren in aufrechten Dolden und gilt als giftig.
Riesen-Bärenklau und Sosnowskys Bärenklau
Das sind riesige Doldenblütler, 3 m hoch oder mehr, mit Blütenständen von einem halben Meter Durchmesser. Ihr Saft verursacht zusammen mit Sonnenlicht schwere Hautverbrennungen mit Blasen, die Wochen zum Abheilen brauchen und Spuren hinterlassen. Fass sie nicht mit bloßen Händen an, schneide sie nicht ohne Schutzkleidung ab und lass Kinder die hohlen Stängel nicht als Röhren benutzen. Nach Kontakt mit dem Saft wasche die Haut so schnell wie möglich mit Wasser und Seife und halte sie aus der Sonne.
Wenn es zu einer Vergiftung kommt
- Ruf die Notrufnummer an (112 in der EU, 999 in Großbritannien, 911 in den USA). Warte nicht auf Symptome, bei manchen Pflanzen zeigen sie sich erst nach mehreren Stunden.
- Bring Pflanzenreste, ein Foto oder Erbrochenes zum Arzt. Das hilft, die Art schnell zu bestimmen.
- Löse nicht auf eigene Faust Erbrechen aus und gib keine Milch und keine Hausmittel.
- Wenn mehrere Personen die Pflanze gegessen haben, sollten alle zum Arzt, auch ohne Symptome.
In Großbritannien gibt NHS 111 dringende Auskunft. In den USA erreichst du Poison Control unter 1-800-222-1222. In Polen beraten regionale toxikologische Zentren an Krankenhäusern Tag und Nacht.
Quellen
- Allium ursinum, Artenporträt und Verwechslung mit Giftpflanzen
- Conium maculatum (Gefleckter Schierling)
- Cicuta virosa (Wasserschierling)
- Digitalis purpurea (Roter Fingerhut)
- Heracleum mantegazzianum (Riesen-Bärenklau)
- US Poison Control
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